[Kleine Weisheit] Möglichkeitenfenster

Auf dem Weg zum Westparkfest, über das ich in den nächsten Tagen berichten werde, ist dem Freund und mir etwas Tolles passiert! Wir hatten gerade die Straßenbahn verpasst und waren daher zu Fuß in Richtung Dortmunder Innenstadt unterwegs, da sahen wir plötzlich einen herzförmigen Luftballon mit einer Karte an seiner Schnur auf der Straße schweben. Er hatte sich am Zaun der Straßenbahnstrecke verfangen und der Wind versuchte eifrig, ihn zu befreien. Ich mag Luftballons und ich mag Überraschungen, deswegen wollte ich ihn unbedingt haben und sehen, was auf der Karte steht. Eine geheime Botschaft, ein Liebesbrief? Aber es ist doch albern, als Erwachsene einem Ballon hinterherzulaufen, der vom Wind immer weiter in die Gegenrichtung getragen wird, oder? Das sieht ja albern aus! Außerdem verpassen wir dann wahrscheinlich die nächste Bahn und vielleicht kriegen wir ihn gar nicht eingefangen. Wie peinlich!

Das alles schwirrte mir im Kopf herum und erinnerte mich an etwas, das mal der Moderator einer AIESEC-Konferenz gesagt hat: es gibt Möglichkeitenfenster, die sich öffnen, eine Zeit lang offen bleiben und sich dann wieder schließen. Wir können uns überlegen, ob wir die Möglichkeit ergreifen wollen – aber nicht zu lang, denn sonst ist das Fenster zu und die Gelegenheit verstrichen. Das habt ihr sicher schon mal in der Schule erlebt, als ihr nicht genau wusstet, ob eure Antwort richtig ist und ihr euch deswegen nicht gemeldet habt. Wenn sie dann tatsächlich richtig war, habt ihr euch geärgert. Oder ihr habt unterwegs jemanden gesehen, den ihr gerne ansprechen würdet, aber ihr habt euch nicht getraut. Wenn mir so etwas passiert, mache ich mir bewusst, wie viel Zeit ich habe, um eine Entscheidung zu treffen und überlege, ob ich mich ärgern würde, wenn ich die Gelegenheit verpasse.

Ich hätte mich auf jeden Fall geärgert, wenn ich dem Ballon nicht nachgelaufen wäre. Und tadaaa:

Herzluftballon

Die Karte war vom Tag gegen Homophobie und Transphobie und kam von einem Kind, das ein paar Strichmännchen draufgemalt hatte. Keine geheime Botschaft also und kein Liebesbrief, aber ich habe mich trotzdem gefreut wie ein Schnitzel und den halben Tag vor mich hingegrinst!

Wenn ihr das nächste Mal so etwas erlebt, dann stellt euch doch mal das Fenster vor, vielleicht fällt euch die Entscheidung dann leichter!

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Ti Amo, Venezia.

Julias Haus - Kaugummis an der Wand stehen für ewige Liebe

Hachja, das muss ich mal eben posten, denn es ist echt romantisch! Gemeinsam mit einer Freundin war ich die letzten sieben Tage in Italien. Natürlich haben wir neben Venedig auch Verona besucht, die Heimatstadt von Romeo und Julia. Dort gibt es das „Casa di Giulietta“, das Haus von Julia, das nur so vor Romantik strotzt. Im kleinen Eingangstunnel können Liebende ihre Namen an die Wand schreiben, im Innenhof können sie Schlösser anbringen und sie können auch kleine Nachrichten mit Kaugummis an die Wände kleben. Ein bisschen eklig, aber irgendwie auch schön.

Und auch nostalgisch, denn ich habe vor einigen Jahren selbst schon mal einen Zettel dorthin geklebt:

Ein Zettel an der Wand des Casa de Giulietta in Verona, ItalienIn Ermangelung eines Freundes habe ich damals nur ein Herz auf den Zettel gemalt.